Unfallrente: Lohnt sich eine private Unfallversicherung?

Können Sie aufgrund eines Unfalls nicht mehr Ihren Beruf oder eine andere Tätigkeit ausüben, dann kann eine private Unfallversicherung die finanziellen Auswirkungen des körperlichen Handicaps mildern. In diesem Artikel erfahren Sie, ob sich eine private Unfallversicherung für Sie lohnt und auf welche Punkte Sie beim Abschluss achten sollten.

Eine Unfallversicherung ersetzt keine Berufs- / Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Eine Unfallversicherung zahlt nur bei einem Unfall. Wenn Sie an den Folgen einer Krankheit berufsunfähig oder invalide werden, erhalten Sie von der Unfallversicherung kein Geld. Krankheiten wie Bandscheibenvorfälle, Herzerkrankungen, Krebs oder psychische Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit. Gegen diese krankheitsbedingten Risiken sind Sie mit einer Unfallversicherung nicht versichert. Auch der Versicherungsschutz der Deutschen Rentenversicherung ist entweder nicht vorhanden oder unzureichend. Eine gute Absicherung ist nur mit einer privaten Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeitsversicherung möglich.

Wann ist eine Unfallversicherung sinnvoll?

Eine Unfallversicherung eignet sich vor allem für Erwachsene, wenn diese weder eine Erwerbsunfähigkeits- noch Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen oder sich diese Versicherungen wegen der relativ hohen Prämien nicht leisten können.

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Wann zahlt eine Unfallversicherung im Schadensfall?

Ein Verkehrsunfall, ein Ausrutscher beim Bergwandern, eine Unachtsamkeit beim Radfahren oder ein Sturz von der Leiter bei der Apfelernte - ein Unfall kann das Leben verändern, wenn die Folgen zu einer dauerhaften körperlichen Beeinträchtigung führen. Die finanziellen Risiken eines Unfalls können Sie durch die private Unfallversicherung abfedern. Denn die Unfallversicherung zahlt die im Versicherungsvertrag vereinbarte Leistung, wenn "ein plötzlich von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis unfreiwillig zu eine Gesundheitsschädigung" führt. Die Versicherung zahlt im Versicherungsfall eine einmalige Kapitalleistung und/oder eine Unfallrente.

Wann zahlt eine Unfallversicherung im Schadensfall nicht?

Es gibt auch Lücken im Schutz: Eine Unfallversicherung zahlt nicht, wenn eine Operation die Folgen verursachte. Oder wenn der Unfall aufgrund einer Bewusstseinsstörung - zum Beispiel bei Kreislaufproblemen, einem epileptischen Anfall oder durch Alkoholmissbrauch - erfolgte oder durch eine Infektion nach einem Zeckenbiss. Die Versicherung verweigert auch die Leistung, wenn der Unfall freiwillig (Stichwort: Versicherungsbetrug / Selbstverstümmelung) herbeigeführt wurde. Wenn Sie wissen wollen, wie gut Sie versichert sind, dann lesen Sie die Versicherungsbedingungen inklusive der Ausschlussklauseln des Anbieters.

Welche Versicherungssummen sind bei einer Unfallversicherung sinnvoll?

Eine Versicherungssumme von mindestens 100.000 Euro ist zu empfehlen. Die Höhe der Versicherungssumme sollte jedoch der finanziellen Situation des Versicherten angepasst sein. Denn der finanzielle Bedarf bei Invalidität ist unterschiedlich hoch und jeder Versicherte hat für den Notfall einen anderen finanziellen Background. Auf jeden Fall werden bei schweren Krankheiten - etwa bei einer Querschnittslähmung - hohe Summen benötigt, um zum Beispiel die Wohnung behindertengerecht zu gestalten oder ein selbstbestimmtes Leben im Rollstuhl zu ermöglichen.

Was bedeutet Progression bei der Unfallversicherung?

Der Auszahlungsbetrag richtet sich nach den Grad der Invalidität. Stellt der Arzt eine Invalidität von 30 Prozent fest, erhalten Sie bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro eine Summe von 30.000 Euro ausbezahlt. Bei einem Tarif mit Progression von 500 Prozent, würde sich der Auszahlungsbetrag auf 150.000 Euro erhöhen. Bei einer Querschnittslähmung (Invalidität 100 Prozent) erhält der Versicherte beim Progressionstarif eine Summe von 500.000 Euro.

Was bedeutet die Gliedertaxe bei einer Unfallversicherung?

Die Musterbedingungen der Versicherungswirtschaft legt fest, wie hoch die Invalidität beim Verlust eines Körperteils eingestuft wird. Verliert ein Versicherter bei einem Unfall ein Auge, dann beträgt die Invalidität 50 Prozent. Beispielsweise werden beim Verlust oder einer vollständigen Funktionsunfähigkeit des Daumens 20 Prozent, bei einem Fuß 40 Prozent und bei einer Hand 55 Prozent Invalidität anerkannt. Die Gliedertaxe finden Sie in den Versicherungsbedingungen des jeweiligen Anbieters.

Unfallversicherungen für Senioren und Rentner

Einige Versicherungsgesellschaften bieten Seniorentarife mit speziellen Leistungen, wie zum Beispiel Unterstützung beim Kochen, Duschen, Einkauf, Putzen oder Waschen, an. Die Sondertarife sollen das alltägliche Leben erleichtern und es den Betroffenen ermöglichen, auch nach einem Unfall weiter in den eigenen vier Wänden wohnen zu können.

Ist die Zahlung aus einer Unfallversicherung steuerfrei?

Die Kapitalleistungen aus Ihrer privaten Unfallversicherung sind steuerfrei. Anders sieht es dagegen mit den Unfallrenten aus, falls im Versicherungsvertrag eine vereinbart wurde. Bei eine Unfallrente wird nicht die ganze Summe, sondern lediglich der sogenannte Ertragsteil mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

Was tun, wenn die Unfallversicherung nicht zahlt?

Ein Albtraum: Ein Unfall passiert mit schweren Folgen und die Unfallversicherung zahlt nicht. Die Versicherungsgesellschaft bestreitet den Unfall, das Vorliegen einer Invalidität oder verweigert aus einem anderen Grund die Zahlung. Was können Sie tun, wenn Sie dringend das Geld benötigen und nicht zu Ihrem Recht kommen. Häufig kann ein Rechtsbeistand durch einen auf das Versicherungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt oder Kanzlei hilfreich sein.

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Fazit:
Eine Unfallversicherung zahlt nur bei Unfallfolgen. Die Versicherungssumme oder Unfallrente mildert die finanziellen Folgen bei einer dauerhaften Invalidität. Über eine Unfallversicherung sollten Sie nachdenken, wenn Sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen oder sich die relativ hohen Versicherungsbeiträge nicht leisten können. Eine Unfallversicherung zahlt im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung nicht, wenn die Invalidität durch eine Krankheit entsteht. Die Versicherungssumme sollte sinnvoll und der finanziellen Situation des Versicherten angepasst sein. Mit einem Progressionstarif kann der Versicherte im Ernstfall wesentlich höhere Leistungen bekommen. Die Unfallversicherung ist kein Ersatz für eine Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung, da krankheitsbedingte Beeinträchtigungen nicht versichert sind.
Robert Aschauer
Über den Autor: Robert Aschauer
Der erfahrene Finanzexperte Robert Aschauer schreibt für einfach-rente.de über die Themen Rente & Altersvorsorge. Er ist Dipl. Bankbetriebswirt (ADG), Financial Planer, Kreditanalyst und Ruhestandsplaner und hat langjährige Praxiserfahrung im Bankwesen und als unabhängiger Honorarberater.
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Der Artikel "Unfallrente: Lohnt sich eine private Unfallversicherung?" wurde am 08.06.2018 von verfasst.