Rente mit 70: Hintergründe, Tipps und Vorsorgestrategien

Gerüchte gibt es schon lange, jetzt fordern EU-Kommission, Bundesbank, Lobbyisten und Politiker lautstark die Rente mit 70. Doch welche Gründe sprechen für und welche gegen die "Rente mit 70"?

Wer plädiert für die Rente mit 70

Aus Sicht der EU-Kommission sollen die Bürger in Europa mehr und länger arbeiten. Geht es nach dem Strategiepapier der EU-Kommission, sollen alle EU-Länder mittelfristig das Renteneintrittsalter auf 70 anheben. Aber auch zahlreiche Wirtschaftsverbände fordern eine Anhebung des Ruhestandsalters. So sagt der Michael Hüther Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): "Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen". Auch die Bundesbank plädiert für eine Anpassung und hat sich für ein Renteneintrittsalter von 69 Jahren ausgesprochen. Auch viele Politiker sprechen das heiße und bei den Wählern unbeliebte Thema offen an. "Wir müssen uns auf die demografische Entwicklung vorbereiten, um die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren", sagte Bundesfinanzminister Schäuble und will die Rente ab 70.

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Warum wird die Rente mit 70 diskutiert?

Es gibt Sachgründe für eine Anhebung des Renteneintrittsalters. Die wichtigsten Gründe im Überblick:

  • Demografischer Wandel
    Die Lebenserwartung der Menschen steigt an. Wir werden alle im Durchschnitt älter und beziehen damit länger Rente. Immer weniger junge Arbeitnehmer müssen immer mehr Rentner finanzieren. Die Rentenkassen können gegen diesen Trend nur mit Anhebung der Rentenbeiträge und/oder eine Verlängerung der aktiven Erwerbszeit (z.B. späterer Renteneintritt) gegensteuern.
  • Rentenalter und Lebenserwartung koppeln
    Zwar ist nicht jeder im hohen Alter noch fit, aber viele Menschen sind mit 70 gesund und fühlen sich im besten Lebensalter. Viele Experten fordern deshalb eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die statistische Lebenserwartung.
  • Probleme der Rentenkassen
    Es kriselt schon lange im deutschen Rentensystem und die Probleme sind vielfältig: Immer wenig Beitragszahler, späterer Berufseinstieg (vor allem bei Akademikern), Rückgang der Geburtenzahlen, immer längere Rentenbezugszeiten, hohe Staatsverschuldung und immer mehr Rentner führen zu einem kontinuierlichen Absinken des Rentenniveaus. Die Rentenkassen können immer weniger den Ruhestand ausreichend finanzieren. Vielen Rentnern droht die Altersarmut.
  • Fachkräftemangel und Arbeitsmarktlage
    Der Fachkräftemangel in Deutschland wird durch die demographische Entwicklung zunehmend verschärft. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters würde die Verknappung an Fachkräften sicherlich etwas abschwächen.

Gibt es gute Gründe gegen die Rente mit 70?

Geht die Forderung nach einer "Rente mit 70" an der Realität vorbei? Viele Experten sind skeptisch und behaupten die Rente mit 70 ist nicht sinnvoll, nicht zeitgemäß und nicht durchsetzbar. Diese Gründe sprechen gegen eine Anhebung des Rentenalters:

  • Individuelle Lebenserwartung
    Zyniker könnten behaupten: Die "Rente mit 70" löst das Rentenproblem der Rentenkassen, denn viele Menschen werden die Rente nicht mehr erleben. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen tatsächlich, dass jeder Fünfte Bundesbürger die Rente mit 70 nicht mehr erleben würde.
  • Industrie und Internet im Wandel der Zeit
    Die Industrialisierung verändert sich permanent und in Zeiten des Internets permanent und rasend schnell. Werden Drohnen in einigen Jahren die Kraftfahrer und Paketzusteller verdrängen, können 3-D-Drucker ganze Industriezweige ersetzen und Arbeitsplätze vernichten, werden selbst fahrende Uber-Taxis die Taxifahrer ersetzen und können intelligente Computersysteme mit künstlicher Intelligenz besser, klüger und schneller beraten als Banker, Steuerberater und Rechtsanwälte? Wir stehen am Anfang einer gewaltigen Epoche und es ist absehbar, dass immer mehr Maschinen und Systeme die Arbeiten von Menschen übernehmen und dies ersetzen. Wer soll noch mit 70 in Rente gehen, wenn er keinen Arbeitsplatz mehr besitzt?
  • Bedingungsloses Grundeinkommen
    Immer häufiger wird ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Existenzsicherung gefordert. Die Idee: Eine politische und soziale Gemeinschaft stellt jedem ihrer Mitglieder genügend Geld für die Existenz zur Verfügung. Unter dem Blickwinkel einer neuen industriellen Revolution ist diese Idee durchaus diskussionswürdig. Wenn Computer und Maschinen die Arbeit von Menschen übernehmen, werden diese Leistungen deshalb sicher nicht kostenlos angeboten und nach wie vor werden Firmen und Menschen damit Geld verdienen. Doch wenn Menschen ohne Arbeit kein Einkommen mehr haben, können Sie diese Leistungen auch nicht in Anspruch nehmen. Eine Umverteilung könnte das soziale Gleichgewicht erhalten und das verhindern.
  • Aktuelles Ruhestandsalter in der EU
    EU-Bürger gehen im Durchschnitt mit etwas über 61 Jahren in den Ruhestand. Gerade Berufstätige mit hoher körperlichen Beanspruchung und Knochenjobs (Maurer, Krankenschwestern usw.) können aus gesundheitlich Gründen einfach nicht länger arbeiten.
  • Akzeptanz in der Bevölkerung
    Umfragen belegen, die Mehrzahl der Bundesbürger ist gegen die Renten mit 70. Viele Rentner nutzen bereits jetzt die Möglichkeit nach 45 Beitragsjahren vorzeitig in Rente zu gehen. Die Rente vor 67 ist beliebt - auch wenn dabei Rentenabschläge die Rentenzahlungen kürzen. Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters würde diese Situation noch verschärfen und die Rentenreduzierung könnte noch mehr Menschen in die Altersarmut treiben. Der Präsident des Sozial- und Wohlfahrtsverbandes Volkssolidarität, Prof. Dr. Gunnar Winkler erkennt die Gefahr der zunehmenden Altersarmut und erklärt zu diesem Thema, "Aktuelle Vorschläge, die Rente mit 70 einzuführen, können wir nur als absurd ablehnen."

Video: Rente vor 67 - Rentenabschläge bei vorgezogenen Ruhestand

Über das Video "Rente vor 67 - Rentenabschläge bei vorgezogenen Ruhestand" erfahren Sie, mit welchen Abschlägen Sie bei einer vorgezogenen Rente rechnen müssen. Die Rentenabschläge summieren sich während der Rentenphase zu beachtlichen Summen. Die "Rente mit 70" wird diese negative Entwicklung noch verschärfen.

Wie kann ich mich auf die Rente mit 70 vorbereiten?

Rente vor 67, Rente mit 67 oder Rente mit 70. Egal wie es kommt: Wer seine Hausaufgaben macht und sich für den Ruhestand vorbereitet, kann seine finanzielle Situation eigenverantwortlich verbessern. Ohne zusätzliche finanzielle Vorsorge werden zukünftige Rentner immer weniger in der Lage sein, den gewollten oder benötigten Lebensstandard zu realisieren. Der Trend ist klar erkennbar: Die Altersrente verkommt zur Grundversorgung und eine private Vorsorge ist Pflicht. Nutzen Sie deshalb die Chance, sich möglichst frühzeitig und nachhaltig eine private Vorsorge aufzubauen. Hierzu haben Sie vielfältige Möglichkeiten. Doch bevor Sie starten, sollten Sie eine Bestandsaufnahme durchführen und eine Strategie für eine clevere Altersvorsorge entwickeln.

Diese Strategie sollte genau Ihrer Bedarfssituation angepasst sein und Ihre Wünsche und Ziele berücksichtigen. Ruhestandsplanung kann so einfach und so effektiv sein, wenn Sie frühzeitig starten und gezielt die notwendigen Schritte einleiten. Den ersten Schritt zu einer sinnvollen Ruhestandsplanung können Sie mit unserer kostenlosen Renten- und Vorsorgeberechnung machen.

Fazit:
Im Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe erkennt der Zauberlehrling, „Die ich rief, die Geister, Werd’ ich nun nicht los“. So kann es auch bei der Rente mit 70 sein. Das Thema ist in der Diskussion und es ist anzunehmen, dass eine Anhebung des Renteneintrittsalters aufgrund der vielfältigen Probleme der Rentenkassen nicht mehr von der politischen Tagesordnung verschwinden könnte. Es gibt Gründe die dafür und dagegensprechen, doch egal was kommt, eine private Altersvorsorge sollte nach Möglichkeit jeder Verbraucher mit hoher Priorität angehen und nachhaltig Geld für das Alter zur Seite legen.
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Der Artikel "Rente mit 70: Hintergründe, Tipps und Vorsorgestrategien" wurde am 19.09.2016 verfasst.

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